Malaisie

Malaisie ist Begründerin einer Stutendynastie, die über ihre Töchter und Söhne die Freibergerzucht beeinflusst. Malaisies Nachkommen findet man sowohl in der Zucht als auch im Sport. Malaisie ist Mutter der Hengste Excell, L'Aura (Legato) und Noctambus Petit Coeur (Norway), Mutter der Bronzemedaillengewinnerin Einspänner Malice (Legato) und Mutter der Zuchtstuten Mimi (Mutter des Hengstes Halloween), Mazurka ( Mutter des Hengstes Vitali) und Margot. Ein Bild von Malaisie und Mimi findet ihr auf der Seite der Familie Frossard. Mailaisie ist über ihre Mutter Mirabelle mit dem FM Hengst Lucky Luke verwandt (Schwester). Im Juni 2012 besuchten wir die Familie Frossard, um Malaisie zu sehen und weitere Informationen zu bekommen. Leider ist Malaisie im Jahr 2011 verstorben, so dass wir sie persönlich nicht mehr erleben konnten. Die Familie Frossard ermöglichte uns trotzdem einen Eindruck von dieser außergewöhnlichen Stute zu gewinnen, indem sie ihre Erinnerungen mit uns teilte. Eine Tochter Malaisies, die Stute Margot soll die Stutenfamilie auf dem Hof der Frossards weiterführen. Margot repräsentierte ihre Stutenfamilie durch ihr Charisma hervorragend.

Mandoline: In der Pferdewoche 45 2012 erschien ein Leserbrief von Rolf Bleisch. Er nennt dort 10 Warmbluthengste, die in der nächsten Saison in die Freibergerzucht eingekreuzt werden sollten.

Frossard jnr: Mit dem Blut das wir eingekreuzt haben, ist es heute gar kein Problem mehr im internationalen Sport mitzuhalten. Man muss allerdings eine sehr gute Stutenbasis haben. Wir züchten auch Kühe und dort schaut man insgesamt viel mehr auf die Mutterlinien. Bei den Freibergern sprechen wir sehr viel über die Hengste, über die Stuten wird kaum geredet. Ich denke wir müssen den weiblichen Linien viel mehr Aufmerksamkeit schenken.

Als man Qui-Sait und Noé eingekreuzt hat, waren für das Kreuzungsprogramm nur Stuten zugelassen, die gar kein Fremdblut hatten. Auch eine Stute mit wenigen Prozenten Fremdblut konnte nicht mit den Kreuzungshengsten belegt werden. Ich finde, daß man das diesmal etwas anders machen sollte, eine Stute mit wenigen Prozenten Fremdblut könnte dafür auch passen.

Mein Vater hat sich nie am Freibergerzuchtverband orientiert. Er mochte den modernen Typ. Für die Zucht hat er diese Pferde genommen, Pferde mit Gängen und Temperament. Er ist mit seinen Pferden Rennen gefahren und mochte den Adrenalinstoß dabei. Pferde die zu ruhig waren und nicht vorwärts gingen mochte er nicht. Unsere Kunden wollten und wollen genau solche Pferde, Pferde die vorwärts gehen, solche Pferde konnten wir sehr gut verkaufen.

Frossard sen.: Das Wichtigste ist ein guter Kopf, ein guter Charakter.

Mandoline: Ist Malaisie auch hier gezogen worden oder haben Sie sie zugekauft?

Frossard jnr: Mein Vater hat sie auf der Fohlenschau in La Joux gefunden. Zu dem Zeitpunkt wartete mein Vater gespannt auf die F1 der Qui-Sait Kreuzungen. Mein Vater hatte zu diesem Zeitpunkt schon alles mit Alsacien gemacht, darum hatten wir schon Stuten mit einem Fremdblutanteil und konnten Qui-Sait nicht für unsere bereits vorhandenen Stuten verwenden. Als der erste Fohlenjahrgang auf den Schauen gezeigt wurde, war mein Vater dort, um die schönsten Fohlen zu sehen. Er hat dort 4 Stuten gekauft, Malaisie, Prunelle, Quinquina, Elsie. Er hat sie dann 2-jährig an dem Römerwagen eingespannt und ist mit diesem 4-Spänner Rennen gefahren. Unsere Pferde hatten einen wahnsinnigen Sprint, das hat den Leuten nicht immer gefallen, aber sie hatten ja auch die Möglichkeit sich solche Pferde zu halten. 

Mandoline: Warum fiel Ihre Wahl auf Qui-Sait und nicht auf Noé?

Frossard jnr.: Wir haben beides gehabt. Die Noé-Stuten waren auch ganz gut, aber nicht so schnell. Sie waren vielleicht etwas ruhiger, aber sie haben einfach nicht diese Gänge gehabt. Qui-Sait hatte unglaubliche Gänge, er ist geflogen. Vielleicht waren die Qui-Sait im Kopf etwas schwieriger, einfach keine Pferde für Jedermann. Wenn man die Qui-Saits gut gezüchtet hat und sie gut eingefahren hat waren die Qs super, super super Pferde. Bei den ersten Einkreuzungen mit Alsacien, bekam man tolle Pferde, die waren im Kopf sehr gut. Bei den nächsten Kreuzungen mit Noé und Qui-Sait hat man gedacht, daß es genauso wird. Man glaubte, man könnte gute Gänge bekommen und alles andere an den Pferden bleibt so wie es ist, dass sie stehen bleiben und solche Dinge. Und so war es dann doch nicht. Für meinen Vater und viele andere Züchter war das kein Problem. Sie wussten wie man mit einem solchen Pferd umgeht, das mehr Blut hat. Für andere Züchter, die immer sehr ruhige Freiberger hatten, Pferde, die nie einen Schritt rückwärts gehen oder mal einen Schritt nach vorne machen, war es schwierig. Diese Leute hatten keine Erfahrung mit Pferden, die etwas nervöser waren. So bekamen die Q’s ihren schlechten Ruf. Dann hieß es plötzlich, mit denen kann man ja nichts machen. Wir hatten 5 Qui-Saits, die 4 Stuten und auch noch einen Wallach. Wir haben alles mit diesen Pferden gemacht, wir sind sie am Römerwagen gefahren, Malaisie konntest du einem 5-jährigen Kind geben, um sie auf die Weide zu führen, Quinquina auch. LC haben wir jetzt verkauft, die fährt noch Rennen. Prunelle hatte Pech, sie ist an einer Kolik gestorben.

Mandoline: Was war das Besondere an Malaisie unter all diesen attraktiven Pferden?

Frossard jnr: Ja. Manchmal hat man eine Stutenfamilie, oder bei den Kühen 4 Schwestern und dann hat man plötzlich eine, die unglaublich züchtet. Bei uns waren das Malaisie und auch Prunelle.

Mandoline: Gibt es eine Anekdote oder eine Besonderheit, die Sie uns erzählen möchten?

Frossard jnr: Malaisie war die Königin von unserem Stall. Sie war immer die Erste. Sie schaute immer aufmerksam mit ihren großen Augen auf das Geschehen um sie herum. Sie war ein Pferd mit Charakter, unglaublich toll. Sie war immer die Erste und alle anderen Stuten folgten ihr. Das hat sie sicherlich an ihre Töchter weitergegeben, sie waren auch Königinnen. Margots(Malaisie x Elysée II) Tochter ist auch so, sie übernimmt die Führung bei den anderen Stuten, die anderen folgen ihr. Mit den Gängen ist es das Gleiche selbst in der dritten Generation schlagen Malaisies Gänge noch durch. Malaisie hatte jedes Jahr ein Fohlen, sie blieb nie leer. Sie hatte insgesamt 15 Fohlen. Exell war ihr erstes Fohlen, er wurde auch angekört.

 

Mandoline: Wie viele Töchter hatte Malaisie?

Frossard sen.: Sie hatte sechs Stutfohlen Mazurka, Mimi, Malice und Margot. Eine Vollschwester zu Margot musste leider geschlachtet werden, weil sie einen Unfall hatte und ein Stutfohlen war eine Frühgeburt, das Fohlen war blind.

Mandoline: Ihre Stutenfamilie wollen Sie wahrscheinlich weiter fortführen?

Frossard jnr.: Ja sicher. Das Problem war einfach, dass sie jedes Jahr so schöne Fohlen gehabt hat, so dass wir die Fohlen zu gut verkaufen konnten. Wenn wir an die Fohlenschau gingen oder an das Championat, gab es immer Interessenten, die uns die Fohlen teuer bezahlt haben. Wir wussten, daß sie jedes Jahr ein gutes Fohlen bekommt und darum haben wir dann doch verkauft. Plötzlich hatten wir keinen Nachkommen mehr. Als dann Margot (Elysee II) kam, behielten wir sie, obwohl wir sie jederzeit verkaufen könnten. Neulich kam ein Deutschschweizer und wollte sie kaufen. Die ersten 3 Fohlen Margots waren Stuten, die beiden ersten habe ich verkauft, aber das dritte Stutfohlen bleibt jetzt hier. Diese Linie muss hier bleiben, Margot ist zwar noch jung, aber man weiß nie was passiert. Margots erstes Stutfohlen wurde wieder erste auf einer Show in der Deutschschweiz, in Luzern. Wir sind natürlich froh, daß wir keine Probleme haben Pferde gut zu verkaufen. Wenn man die Pferde länger behält und dann noch auf den Feldtest vorbereitet, ist das sehr viel Arbeit und damit auch teuer. Da ist die Gewinnspanne evtl. Nicht so hoch wie bei einem Fohlen. Darum verkauft man die Fohlen dann doch. Vor ein paar Jahren haben wir auch viele Fohlen nach Frankreich verkauft. Ich hätte Margots Stutfohlen letztes Jahr 50 Mal verkaufen können. Sie war auch wieder erste beim Fohlenchampionat, sie hat diese Gänge und fliegt.

 

Mandoline: Kommt diese große Nachfrage auch durch die großen Erfolge im Sport?

Frossard jnr.: Man muss wissen, daß der Sport in der Schweiz eine sehr übersichtliche Szene ist. Es gibt in der Schweiz nicht so viele Leute, die mit ihren Pferden Sport auf hohem Niveau machen. Allerdings werden es immer mehr. Mit Pferden wie Malaisie oder Prunelle und deren Nachkommen kann man beides machen, Sport und Zucht. Es gibt Pferde mit denen man im Sport gut ist, oft sind diese dann aber züchterisch nicht so stark. Eine Stute wie Malaisie ist wirklich selten. Ihre Tochter Malice ist eine sehr gute Werbung für uns. Wenn du den richtigen Freiberger hast kannst du mit ihm alles erreichen auf jedem Niveau fahren. Vielleicht kannst du mit ihm mehr erreichen als mit einem Warmblut. Der Freiberger ist stärker, hat starke Beine und gute Achsen und einen sehr guten Kopf.

Mandoline: Legato stand ja auch mal hier bei Ihnen. Können Sie uns etwas über Legato erzählen?

Frossard jnr.: Das war auch ein wahnsinniges Pferd. Der hat Gänge gehabt! Es wurde viel über Legato diskutiert. Wenn du ihn aus dem Stall genommen hast, nahm er den Schweif nach oben und fing an zu Schweben, ähnlich wie Queens. Die Leute vermuteten wir würden ihm irgendwas Spezielles füttern. Aber Legato war einfach von Natur aus so. Im Umgang war er super! Im Kopf war er sehr, sehr gut. Vielleicht ist es genau diese Kreuzung von Malaisie und Legato, Qui-Sait der manchmal etwas schwieriger war und Legato der im Kopf total klar war, die bei Malice die tolle Mischung ergibt.

Mandoline: Wie kam Legato zu ihnen?

Frossard jnr. : Er kam mit 6 Monaten zu uns und blieb hier bis er 5 Jahre alt war.

Mandoline: Dann gibt es ja auch noch L’Aura.

Frossard jnr.: Das war wieder ein sehr sportliches Pferd aus der Kombination Malaisie und Legato.

 

Mandoline: Sind Sie bei dem Konzept Malaisie x Legato geblieben?

Frossard jnr. : Der Verband wurde dann wieder etwas strenger im Bezug auf Weiß. Erst haben sie alle Vorgaben für weiße Abzeichen vergessen und dann wurden sie plötzlich sehr streng. Wir haben mit Malaisie alles ausprobiert, weil wir feststellten, daß sie mit fast allen Hengsten sehr gute Fohlen brachte. Da mein Vater auch Hengste zog, mussten wir uns etwas nach der Philosophie des Verbandes richten. Wenn du einen Hengst anerkannt bekommen möchtest, musst du dich danach richten. Darum haben wir dann gedacht, daß wir für Malaisie mit viel Blut, einen Hengst mit weniger Blut bzw. keinem Blut auswählen sollten, eben wie Elysée. Und das hat wirklich auch sehr gut gepasst. Margots Vollschwester war Margot sehr ähnlich. Sie war auch sehr dunkel, einen tollen Kopf, leider hatte sie einen Unfall. Mit Margot haben wir wieder eine sehr gute Zuchtstute. Sie ist für den Verband sehr interessant. Sie hat wenig Blut, so daß sie für viele Hengste in Frage kommt. Man braucht auch Glück um so eine Stute wie Malaisie zu finden, bei Malaisie und ihren Töchtern hat man immer das Gefühl sie versteht alles was man sagt. Wenn wir sie zum Marché Concours brachten, wusste sie wann sie was tun muss. Wann Sie Gas geben muss und wann sie stehen soll. Sie war das absolute Lieblingspferd meines Vaters, aber auch meins. Du konntest mit ihr Rennen fahren, aber ich bin auch mit meinem 2-jährigen Sohn auf die Weide gegangen und habe ihn vor mich auf Malaisie gesetzt, dann bin mit ihm gemeinsam ohne Sattel galoppiert.

Suche nach ...